Die Geschichte

des Gesangvereins "Harmonie" Niederquembach

Im Jahre 1879 wurde unser Verein unter dem Namen "Liederkranz" gegründet.

Das 1871 durch Bismarck geschaffene deutsche Reich verschmolz zu einer politischen Einheit, wurde schnell ein wichtiger Faktor im Weltgeschehen und nahm einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. In jener Zeit wurde das Chorsingen zum Volksgut, auch in den kleinsten Dörfern. Damals sang man Lieder meist nationalen Inhalts, Lieder von Vaterlands-/und Heimatliebe. Diese Lieder hatten damals ihre Berechtigung, genau wie unsere Lieder heute.

Der erste Dirigent des Vereins war Herr Lehrer Peter Blad aus Oberquembach, der auch von 1879 bis 1921 die Lehrerstelle in Niederquembach begleitete. Gesungen wurde bei Festen im Dorf und in den Nachbardörfern. Leider ist vor dem ersten Weltkrieg keine Chronik geführt worden, so dass wir  nicht mit weiteren Daten dienen können.

 

Der erste Weltkrieg rief viele Sänger zu den Waffen, viele kamen nicht zurück. Dennoch fand sich nach Beendigung des 1. Weltkrieges wieder eine kleine Schar sangesfreudiger Männer zusammen, teils Angehörige des alten Vereins „Liederkranz“. Diese zunächst zwanglos singende Gruppe wurde dann 1919 zur Kerntruppe des Vereins, der dann gleichzeitig  in „Harmonie“ umbenannt wurde. Den Dirigentenstab übernahm Herr Wilhelm Töpfer und am Ende des Jahres hatte der Verein dann wieder die beachtliche Zahl von 22 aktiven Sängern.

 

Bereits am 10. Oktober 1919 konnte die „Harmonie“ ihr erstes Konzert in der Form eines Wohltätigkeitskonzertes zugunsten der heimgekehrten Kriegsgefangenen abhalten. Am 1. August 1920 nahm der Verein an seinem ersten Gesangswettstreit in Laubuseschbach teil, wegen der überlegenen Konkurrenz in der A-Klasse, dennoch mit einer zufriedenstellenden Leistung. Ein zweites Wohltätigkeitskonzert wurde am 12. Dezember 1920 ausgerichtet, zugunsten der Vertriebenen aus Elsaß-Lothringen. Aufgrund des sehr großen  Engagements des Chorleiters konnte der Verein dann bereits Ende 1920 35 aktive und 7 passive Mitglieder verzeichnen.

Das erste Sängerfest wurde mit 18 Gastvereinen am 13. Juni 1921 abgehalten. Unter der Leitung von Wilhelm Töpfer konnten weitere beachtliche Erfolge erreicht werden, doch im Leben eines jeden Vereins gibt es Krisenzeiten.

Auch im Gesangverein „Harmonie“ entstanden Differenzen, heute nicht  mehr nachvollziehbar, die zu einer vorübergehenden Spaltung und sogar kurzzeitig  zur Bildung eines zweiten Vereins führten, welcher 1927 wieder aufgelöst wurde. Herr Töpfer legte im Juli 1922 die Chorleitung freiwillig nieder. Sie wurde dann dem Lehrer Gustav Zimmermann übergeben, der dem Verein mit einer kurzen Unterbrechung etwa 10 Jahre mit wechselnden Erfolgen und Leistungen vorstand.

 

1923 wurde die Vereinsfahne mit Inflationsgeld erworben und am 09. September unter Beteiligung von 9 Nachbarvereinen geweiht. In den folgenden Jahren wurden einige Veranstaltungen bei den Nachbarvereinen besucht, an einem Sängerwettstreit teilgenommen und  letztlich konnte auch der Streit im Verein beigelegt werden.

Vom 09. bis 11. Juni 1929 wurde, wieder geeint,  das 50-jährige Jubiläum bei bestem Wetter gefeiert. Der Verein hatte zu dieser Zeit 30 aktive Sänger.

Nach dem unerwarteten Rücktritt von Gustav Zimmermann im Jahre 1932 konnte Wilhelm Töpfer wieder als Chorleiter gewonnen werden. Unter seiner Leitung erreichte der Verein die bisher größte  Mitgliederzahl mit 49 aktiven Sängern im Jahre 1933.

Nachdem alle internen Krisen überwunden waren versprach allerdings der politische Umbruch im Jahre 1933 für die Zukunft nichts Gutes. Aufgrund einer Verfügung der neuen Reichsregierung mussten sämtliche Vereine einem Bund angeschlossen sein, dies war dann auch der Zeitpunkt an dem unser Verein dem Solmser Sängerbund beigetreten ist.

 

Männer- u. Kinderchor im Rahmen d. "Singenden Dorfes" 1949
Männer- u. Kinderchor im Rahmen d. "Singenden Dorfes" 1949

Im „Dritten Reich“ konnte sich Kunst und Kultur nicht mehr frei entfalten, auch der Chorgesang, selbst im kleinsten Dorf wurde organisiert. Außerdem wurden die meisten Sänger durch Tätigkeiten in den nationalsozialistischen Organisationen so stark beansprucht, so dass der Gesangstundenbesuch immer schwächer wurde. Die Freude am Singen ging verloren und der Gesang wurde bei Kriegsausbruch 1939 ganz eingestellt.  

Es ist der Verdienst mehrerer alten Sänger und des Dirigenten Wilhelm Töpfer, dass nach Beendigung des zweiten Weltkrieges, der Chorgesang wieder aufleben konnte. Bald wurde wieder ein beachtlicher Leistungsstand erzielt und im Goethejahr  1949 wurde ein Liedertag unter dem Leitmotiv „ Das singende Dorf“ organisiert.

 

In der Folgezeit umfasst der Verein etwa 65 bis 70 Mitglieder, davon durchschnittlich 40 aktive Sänger. Vom 19. bis 21. Juni 1954 wurde das 75-jährige Bestehen des Vereins mit 20 Gastvereinen gefeiert.

Im gleichen Jahr  übergab Wilhelm Töpfer den Dirigentenstab an den Lehrer Alwin Rosenkranz, der den Verein 10 Jahre zu weiteren schönen Erfolgen führte. In den fünfziger- und sechziger Jahren war die "Harmonie" sehr aktiv. Auf vielen öffentlichen Auftritten im Dorf, Durchführung eigener Liederabende im Gasthaus Kühn, Besuche verschiedener Jubiläumsfeste auch im erweiterten Umkreis und Teilnahme an mehreren Kritik- und Wertungssingen, kann zurückgeblickt werden.

 

Bereits 1962 konnte man aber bereits feststellen, dass die Gesangstunden immer weniger besucht wurden, von den noch 31 aktiven Sängern kamen durchschnittlich nur noch 20 zu den Übungsstunden. Die eigenen Interessen wurden immer mehr in den Vordergrund gestellt, wohl eine Folge des stetigen Wirtschaftswachstums und den daraus entstehenden sich negativ auswirkenden Wohlstandserscheinungen. Am Ende des Jahres 1963 muss man leider sagen, dass der Chor sich noch gerade über die Runden geschleppt hat. Es wurde ernsthaft darüber nachgedacht, bei weiter nachlassender Beteiligung an den Gesangstunden einen gemischten Chor zu bilden. Dieser Gedanke wurde aber aufgrund interner Widerstände nicht umgesetzt.

 

Im Juli 65 starb Alwin Rosenkranz im Alter von nur 52 Jahren, aber die Chorarbeit sollte weiterleben (Die Chronik wurde nach dieser Zeit nicht mehr weitergeführt).  Die von Wilhelm Töpfer ausgezeichnet geschulten, von Alwin Rosenkranz vortrefflich weitergeführten Chöre fanden  in Gerhard Schäfer aus Neukirchen einen neuen Chorleiter. Schnell wurde sein musikalisches Talent erkannt und sein Hang zur moderneren Chormusik trug auch bald im Chor Früchte. In den nachfolgenden Jahren konnten bei vielen Wertungs-/und Kritiksingen gute bis sehr gute Leistungen verzeichnet werden, auch wurden viele Veranstaltungen im Dorf durchgeführt, sowie Veranstaltungen und Sängerfeste der Nachbarvereine besucht.

 

Vom 22. bis 25. Juni 1979 konnte mit 29 Gastvereinen das 100-jährige Bestehen des Vereins gefeiert werden und anlässlich des Hessentags in Friedberg wurde der Jubiläumsverein mit der Zelterplakette ausgezeichnet, ausgestellt von dem damaligen

Bundespräsidenten Walter Scheel.

Neben den üblichen , bereits genannten, Auftritten trat der Chor erstmalig 1981 bei den Veranstaltungen im Braunfelser Kurpark im Rahmen der Kurkonzerte auf. Aufgrund des großen Erfolgs bei dieser Veranstaltung nahm der Verein auch bis in das Jahr

1986 jährlich an den Kurkonzerten teil. Die Auftritte wurden teilweise durch unsere Sangesbrüder aus Bonbaden unterstützt, beide Vereine verband damals eine langjährige Freundschaft.

Trotz sinkender Anzahl aktiver Sänger konnte vom 30.06 bis 03.07.1989 das 110-jährige Bestehen der „Harmonie“ gefeiert werden. Einen Tag später, am 04.07.1989, legte Gerhard Schäfer überraschend den Dirigentenstab nieder. Einer der Gründe war in erster Linie der schlechte und unregelmäßige Besuch der Übungsstunden. Zitat aus seinem Kündigungsschreiben an den Vorstand: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“. Ein Weitermachen lässt die musikalische und pädagogische Verantwortung eines guten Chorleiters nicht zu.

Mit Helmut Wolf aus Niederwetz konnte wieder ein neuer Chorleiter gefunden werden. Weitere 16 Jahre hielt sich der Verein gerade so über Wasser, bis dann der aktive Chorbetrieb wegen zu wenig Sänger und Überalterung des Chors Ende des Jahres

2006 endgültig eingestellt werden musste. Der Verein blieb weiter bestehen, Beiträge wurden nicht mehr erhoben.

 

Dann geschah so etwas wie ein kleines Wunder. Unter dem Motto „in ist, wer drin ist“ hatten engagierte sangesfreudige Männer aus Niederquembach  anlässlich des 700-jährigen Dorfjubiläums und des 135-jährigen Bestehens des MGV „Harmonie“ die Initiative ergriffen und die örtliche Werbetrommel gerührt, mit dem Ziel, den Gesang und den Verein wiederzubeleben.

Für den 10. Oktober 2014 hatte Jens Henrich, einer der Initiatoren, zur Auftaktveranstaltung in das evangelische Gemeindehaus eingeladen. Neben den interessierten zukünftigen Sängern konnte auch der Präsident des Solmser Sängerbundes und damals gleichzeitig Bürgermeister von Schöffengrund, Hans-Peter Stock, sowie der zukünftige Chorleiter Steffen Beppler aus Blasbach begrüßt werden. Die erste offizielle Gesangstunde fand am 24. Oktober 2014 statt und der erste öffentliche Auftritt anlässlich des Maisingens am 30. April 2015. Hierfür große Anerkennung für die  Leistung unseres Chorleiters, wenn man bedenkt, dass der Chor zu ca. 80% aus Erstsängern besteht.

Mit der Weiterführung des Vereins und Überwindung vieler organisatorischer Hürden konnte man an der von Amtswegen drohenden Vereinsauflösung entgegenwirken. Anfang 2017 wurde auch die Gemeinnützigkeit des Vereins anerkannt.

Die offizielle Vereinsbezeichnung ist jetzt 

- Gesangverein "Harmonie" 1879 Niederquembach e.V. - 

 

Der Verein hat mit Stand Ende 2018 24 aktive Sänger und insgesamt wieder 95 Mitglieder. 2016 wurde das 1. Niederquembacher  Scheunenfest auf dem Berghof der Familie Weichl ausgerichtet. 2016 und 2017 war die „Harmonie“ ebenso Ausrichter des Schöffengrunder Liedertages.

 

Zu Beginn des Jahres 2019 musste der Verein einen herben Verlust verzeichnen. Am 14.02.2019 verstarb der 1. Vorsitzende

Jens Henrich in einem Alter von nur 50 Jahren. Der Verein verlor damit nicht nur einen hochmotivierten Vorsitzenden sondern

auch einen hervorragenden Sänger im 1. Tenor und jemanden, der innerhalb der anderen Ortsvereine und der Dorfgemeinschaft

insgesamt stark engagiert war.

Ganz in seinem Sinne wurde am 26.08.2019, zusammen mit acht Gastchören, das 2. Niederquembacher Scheunenfest in

Verbindung mit dem 140-jährigen Vereinsjubiläum gefeiert. Enttäuschend war allerdings das offenbar wenig vorhandene

Interesse der Dorfbevölkerung zur Teilnahme an solch einer Veranstaltung eines Vereins. Schade, denn der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht das kulturelle Leben innerhalb der Dorfgemeinschaft zu erhalten und zu fördern, dies geht aber nur mit Unterstützung möglichst vieler Dorfbewohner.

 

Weitere Informationen über die Aktivitäten des Vereins finden Sie, lieber Leser, in dieser Homepage unter der Ruprik Vereinsheft und Presse. Besonders bedanken möchte sich der Vorstand der „Harmonie“ an dieser Stelle bei unserem passiven Mitglied Diana Rosenkranz, als Initiatorin und  Erstellerin dieser Homepage. Auch an Martin Rohn, erster Schriftführer, als Autor unserer

Vereinsnachrichten und jemanden, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins sehr engagiert, ist unser Dank gerichtet.

 

 Stand: 24.10.2019